| TAI CHI CHUAN BREMEN E.V. |
Events, Berichte & Vermischtes |
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Rencontres Jasnieres - Eine Entstehungsgeschichte Vor 25 Jahren, wie viele Europäer wussten damals, was Taijiquan ist? Ein Franzose der damaligen Zeit ist auf seinem eigenen Lebensweg darauf gestoßen, und dort liegt der Anfang von Rencontres Jasnieres. Serge Dreyer war ein junger Mann aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Le Mans. Wie viele Franzosen liebt er Wein, Käse, und Frauen. Auch nicht außergewöhnlich für die 70ger Jahre in Europa, war er ein begabter Fußballer und begeisterter Rock´n Roll Fan. Zum Glück für die Taichi Welt war er auch interessiert an fern-östlicher Kultur und Sprachen. Er erhielt ein Stipendium und wollte den Ursprung der Kampfkünste in der Schamanistischen Traditionen Nord-Chinas bzw. der Mongolei nachforschen. Durch verschiedene Lebensumstände ist dieser akademische und persönliche Wunsch nicht in Erfüllung gegangen, sondern er landete am Ende der 70ger in Taiwan. Neben anderen Abenteuern dort, verbrachte er einige Monate in den Bergen mit einem taoistischen Wander-Mönch, heiratete er eine Taiwanesin und fing an Taijiquan zu studieren. Seitdem lebt er in Taiwan, unterrichtet Französisch an einer Universität und beschäftigt sich unaufhörlich mit Taijiquan (später auch Bagua und Xingyi). Serge war einer der ersten westlichen Studenten der direkt bei einem Nachfolger von Yang Cheng Fu studierte. Sein Lehrer, Wang Yen Nian, führte zu der damaligen Zeit, neben dem sehr bekannten Lehrer Cheng Manching, die zweitgrößte Yangstil Schule in Taiwan. Wenn man die historische Ausweitung des Taijiquans am Anfang des 20gsten Jahrhunderts betrachtet, gibt es eine klare Verbindung zwischen der Entwicklung dieser Kampfkunst in Zusammenhang mit der aufsteigenden Selbstbehauptung der Chinesen und ihrem Entsetzen gegenüber den eingedrungenen westlichen Mächten (auch den Japanern). Yang Chengfu selber brachte das Üben des Taijiquans in Verbindung mit der ‚Selbst-Stärkung' des Volkes. Dieser Begriff beschreibt eine politische und militärische Strategie, die immer wieder in der chinesischen Geschichte auftaucht. Wenn eine Dynastie unter Druck von außen stand, Teile des Imperiums verloren gegangen waren und nicht genug Mut und Ressourcen vorhanden waren, um einen Gegenangriff einzuleiten, dann übte sich das Volk in ‚Selbst-Stärkung', um eines Tages doch ihre Ländereien und Würde zurückzuerobern. Es gab mehr als einen Grund, weshalb es damals schwierig war, als fremder westlicher Mensch in so eine Tradition einzudringen. Cheng Manching ist bekannt für seine Großzügigkeit in dieser Hinsicht, aber es ist auch bekannt, dass seine Zeit in New York ein Art politisches Exil war und viele seiner Landsleute und Mitschüler ihn für ein Verräter hielten, weil er chinesische Geheimnisse an westlichen Dämonen aushändigte. In Taiwan selber schaffte es Serge, über die kulturellen Hürden zu kommen, übte fleißig, beteiligt sich an Wettkämpfen und wurde zum westlichen Träger der Yangstil Tradition. Er kehrte nach Frankreich als stolzer Hüter des wahren Yangstil Taijiquan zurück. Lehrer wie Epi van de Pol aus Holland erinnern sich noch daran, wie Taiji-hungrige Kampfkünstler warten mussten, bis Serge eine Erlaubnis erteilte und einige Auserwählte an einem Workshop in Frankreich teilnehmen durften. So ein Auftritt macht ihn nicht beliebt in seinem Europa. In Taiwan war es so, dass er ein hohes Niveau in Pushing Hands erreicht hatte und seinen Meister Wang Yen Nian Buchstäblich aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Angesichts des immer drohenden Verlustes des Gesichts zerbrach die traditionelle Lehrer-Schüler-Beziehung und Serge, der mittlerweile verfeindet mit verschiedenen Mitschülern von Wang Yen Nian war, hatte Zeit seinen eigenen Weg zu gehen und über sein Handeln und seine Einstellung nachzudenken. Es wird gesagt, als Metapher für Wegsuchende, die immer von einer Lehrerin oder Schule zu einer anderen springen, dass in vielen verschiedenen Löchern zu buddeln keine Tiefe bringt, und da ist Wahrheit darin. Stellen wir uns aber vor, dass jemand, der sich lang und tief eingegraben hat, für einen Moment aufhört , sich umschaut und nur einengende Wände spürt, die den Blick und die Bewegung begrenzen. Beim Schauen ist oben nur ein kleines Loch zu sehen, ein kleiner Punkt des blauen Himmels und die Luft ist ziemlich schlecht. Man kann natürlich das Loch großzügig ausbreiten. So kommt Luft, Gesellschaft und Abwechslung rein. Das Loch kann immer weiter werden, aber die ganze Ausbreitung lässt keine Zeit, noch tiefer zu stoßen. Die große Gefahr ist, dass dieses zu dem einen wahren Loch wird und ganz viele Menschen sich für ganz lange Zeit in ihrem Gruppen-Fanatismus vergnügen, ohne wirklich weiter zu kommen. Bewegung in der Vertikale hört auf, horizontale Bewegung geschieht nur bezüglich des Lochs und andere Lochbewohner werden schnell zu Feinden. Serge sah seinen eigenen Fanatismus, und mehr als nur damit aufzuhören, entschied er sich, ein Treffen ins Leben zu rufen, das entgegen der allgemeinen Tendenz, dem Fanatismus im Taijiquan entgegenwirkt. Er organisierte ein Treffen, bei dem alle Übenden eingeladen sind aus ihren eigenen Löchern aufzusteigen und gemeinsam unter freien Himmel voneinander zu lernen und die gemeinsame Kunst gemeinsam zu genießen. Er nannte das Treffen Rencontre Jasnieres ‚Das Treffen bei Jasnieres', weil es zuerst in der gleichnamigen Stadt stattfand und weil er das Treffen immer mit einem Besuch bei der Winzerei Jasnieres (geleitet von einen alten Freund aus der Wehrdienst Zeit) verbindet. Seit 15 Jahren kommen Lehrer und Lehrerinnen von verschiedenen Schulen und Ländern zusammen, um ihr Können weiter zu geben, selber zu lernen und das Event zu genießen. Jeder Lehrer bekommt Reise und Lebenskosten erstattet, aber mehr nicht. Es gibt etliche Lehrer und Teilnehmer, die so oft dabei gewesen sind, dass das familiäre der Atmosphäre spürbar wird. Gleichzeitig kommen jedes Jahr neue Lehrer/innen dazu. Manche Jahre gab es Themen wie Kunst und entsprechende Workshops wurden angeboten. Qigong sowie andere innere Kampfkünste sind gern gesehen. Es gibt immer Musik, Tanz und, vielleicht der größte Schritt, was das Taijiquan angeht, ein offenes Push Hands Treffen nachmittags. Ich bin ziemlich sicher, dass es nirgendwo anders auf der Welt so viele Leute gibt, die auf einmal freies Pushing miteinander üben können. Die Bedeutung von so einer Idee würde einen ganz anderen Artikel brauchen, so dass ich es hier so stehen lasse. Was aber noch gesagt werden sollte, ist dass von dem Beispiel Rencontre Jasnieres ähnliche Treffen in Groß Britannien, Spanien, der Schweiz und Deutschland entstanden sind. Durch solche Treffen kann jeder neue Ideen, Ansätze, Werkzeuge und Perspektiven schaffen, um hoffentlich effizienter in seinen eigenen Löchern weiter zu buddeln. Es kommt so viel zusammen, und man kann doch an die eigene Grenzen gebracht werden. So kann ein Treffen wie RJ durchaus eine harte Lehre sein, aber für solch eine Lehre sind wir auch letztendlich dankbar. Im Großen und Ganzen, bis jeder auf die Ebene stößt, in der sowieso alle Löcher verbunden sind, gibt uns ein Treffen wie Rencontre Jasnieres die Möglichkeit, anderen Taiji und Qigong Übenden mit Respekt und Freude zu begegnen. Rencontre Jasnieres - Bericht einer TeilnehmerinDieses
Jahr war ich wieder mit Begeisterung beim Rencontre Jasnieres, nachdem
sich meine anfängliche Scheu aus dem letzten Jahr, von so vielen guten
Leuten beim Pushen gnadenlos untergebuttert zu werden, doch nachhaltig
gelegt hat.
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